Projekte

Wissensvermittlung & Artenschutz

Mit seinen vier Säulen hat der Naturpark mit seinem Management einer Vielzahl von Anliegen gerecht zu werden. Wissensvermittlung im Bereich der Bildung aber auch Artenschutz im Bereich von Natur und Landschaft bieten viel Raum für künftige Projekte im Naturpark Weißbach, die gemeinsam mit der Naturschutzabteilung der Salzburger Landesregierung, NGO, Schulen und Landwirten umgesetzt werden sollen.


Artenschutz

Verbesserungsmaßnahmen der Habitate für den Roten Apollofalter

 

Der Rote Apollo (Parnassius apollo) ist eine, inzwischen europaweit bedrohte und streng geschützte Art aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae).

Er hat hohe Biotopansprüche, ist Wärmeliebend und ein (Halb-)Offenlandbewohner. Vorzugsweise an sonnigen und felsigen Standorten. Die Hauptfutterpflanze der Raupen „Fetthennen“ muss vorhanden sein. Es werden vorzugsweise Nektarpflanzen mit violetten oder rötlichen Blüten, wie z.B. Flockenblumen, Disteln oder Oregano benötigt. 

 

Ausgangssituation Entlang der Forststraße von Pürzlbach zur Kallbrunnalm befindet sich ein überwiegend nach SSW exponiertes, kleinräumig abwechselndes Mosaik aus tlw. eng gebänderten Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation, kleinen Terrassen mit Trockenrasen und Übergangsbereichen mit einem Wechsel von wärmeliebenden Hasel- und Felsenbirnenstrauchgesellschaften. In und zwischen den Kalkbänken, die zwischen 2 und 10m hoch sind, wachsen typische Vertreter einer Felsspaltenvegetation. Die artenreiche Strauchschicht wird von verschiedenen Baumarten begleitet.

 

Folgende Maßnahmen wurden in Zusammenarbeit mit unserem größten Grundbesitzer und Unterstützer des Naturparks Weißbach, den Bayerischen Saalforsten, umgesetzt:

 

1. Es wurden Fichten und Buchen und deren Verjüngung an und um die Felswandpassagen entnommen, um eine Verringerung der Beschattung der Felswandbereiche zu erreichen. Dadurch soll der Lebensraum der Apollofalter (und anderer wärmeliebender Organismen in diesem Bereich) gefördert werden und den Druck durch die zunehmende Überschirmung durch die Fichten und Buchen in den zentralen Bereichen zu reduziert werden. Dabei wurden einzelne Biotopbäume sowie seltenere Baumarten (wie z.B. Mehlbeeren, Eiben, etc.) sowie die artenreiche Strauchschicht möglichst belassen. Falls es möglich erschien, sollte das Totholz im Gelände verbleiben. Auch wurden tlw. hohe Stöcke belassen, um die Geländestruktur zu erhöhen.

 

2. Entlang der Forststraße an der Talseite wurde ein freier Böschungsstreifen in einer Breite von etwa 3-4m geschaffen, damit die Nektarpflanzen der Apollofalter (und natürlich auch für andere Wildbestäuber) dort wieder bessere Wuchsbedingungen auffinden können. Außerdem wird dadurch der Böschungsbereich, sowie auch die gegenüberliegende Felswand weniger stark beschattet. Dies wurde durch das Schwenden der Verjüngung in den Schneisen und entlang des Böschungsstreifens und die Entnahme von Fichten  erreicht.


Bergwaldprojekt & Umweltbaustelle

So nennen wir unsere handfesten Einsätze für die Natur.

Wege befestigen, Bäume pflanzen, Erosionsstellen begrünen oder die Bergbauern unterstützen:

 

Bei den Umweltbaustellen helfen und werken junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren ehrenamtlich, beheben Umweltschäden und leisten einen konstruktiven Beitrag für die Natur. Für alle ab 18 Jahren gibt es die Bergwaldprojekte. Hier wird in gleichem Format die Stabilität und Vitalität des Bergwaldes erhalten. Ansässige Bergbauern, Förster und Umweltbeauftragte unterstützen die Freiwilligen bei der Arbeit und beantworten inhaltliche Fragen. Unterkunft und Verpflegung sind frei; ebenso sorgt bei den Umweltbaustellen und Bergwaldprojekten ein freier Tag für den nötigen Spaßfaktor und Ausgleich. Sich eine Woche um die Natur kümmern, ob in den Ferien oder im Urlaub – die Alpenvereinsjugend sowie das Hütten- und Wegereferat laden dich dazu ein!

 

Arbeite aktiv an deinem persönlichen ökologischen Fußabdruck und nimm’ an unserer Umweltbaustelle oder dem Bergwaldprojekt teil.

 

Wir freuen uns auf dich!

Quelle: www.alpenverein.at


A gmahde Wiesn

Die Bayerischen Saalforste erhalten auf ihren Flächen im Naturpark Weißbach die Artenvielfalt auf Bergmahdern durch eine Kooperation mit dem Österreichischen Alpenverein – Sektion Leogang – und dem Naturpark Weißbach. Seltene Insekten und Pflanzen und auch die Gemeinschaft der Freiwilligen Helfer profitieren. Landesrätin Maria Hutter besuchte die fleißigen Alpenvereinler und zeigte sich begeistert von der Aktion.

 

Über 50 Jahre lang wurden die steilen Bergmahder im Hintertal im Naturpark Weißbach nicht mehr gemäht. Sie drohten mit Bäumen zuzuwachsen. Ein blumen- und insektenreiches Kleinod wird seit dem Jahr 2017 erhalten. Landesrätin Maria Hutter besuchte am 1. August die Freiwilligen und freute sich mit ÖAV Sektionschef Markus Mayrhofer und Forstbetriebsleiter Thomas Zanker über die sichtbaren Erfolge dieser Biotoppflege. Mit dabei war auch Artenexpertin Sibylle Kallas und der designierte 1. Vorsitzende der Alpenvereinssektion Passau, Lothar Schramm. Mit dem Projekt „Mahd einmahdiger Wiesen im Naturpark Weißbach bei Lofer“, welches vom Alpenverein Leogang gemeinsam mit dem Naturpark Weißbach auf Flächen der Bayerischen Saalforste umgesetzt wird, wird deren Erhalt gesichert. Dieses Engagement wurde im Januar 2018 mit dem österreichischen Naturschutzpreis "Die Brennnessel – Naturschutz is ka gmahde Wies'n" ausgezeichnet. Im Rahmen einer Projektwoche des Naturparks Weißbach wurde als vorbereitende Maßnahme bereits im September 2017 eine Schwendaktion an aufwachsenden Jungbäumen auf der Fläche durchgeführt.

 

Rund 30 Freiwillige mähten und rechten am ersten Augustwochenende 2020 bei sommerlichem Wetter. Die Erfolge auf diesen stets einmal im Jahr gemähten steilen Berghängen sind schon im dritten Jahr, des für zunächst 10 Jahre angelegten Projektes sichtbar. Die Bergmahder sind voll mit seltenen Insekten und Pflanzen. Erwachsene und Jugendliche konnten die körperlich schwere und anstrengende Mäh-Arbeit auf den steilen Bergmahdern erfahren und so auch ihre Gemeinschaft stärken.

 

Nicht umsonst prangt auf dem Logo des Naturparks Weissbach ein Schmetterling. Die enge Verzahnung von Waldlebensräumen, die von den Bayerischen Saalforsten naturnah bewirtschaftet werden und Bergmahdern und Almen, die durch diese Aktion und viele fleissige Bergbauern erhalten werden, bieten eine Artenvielfalt auch an Schmetterlingen, die ihresgleichen sucht.


Weißbach blüht auf

Im Rahmen des länderübergreifenden ‚wild & kultiviert’ Projekts haben wir zusammen mit dem Schutzgebietsbetreuer des Pinzgaus, Andreas Scharl, angefangen, einige Flächen in Weißbach mit regionalem Wiesensaatgut einzusäen.

Dieses Saatgut wurde von einzigartigen und artenreichen Pflanzengesellschaften aus der Region gewonnen, z.B. von Kalkmagerrasen. Im Folgenden wollen wir die Schritte, Eigenschaften und Entwicklung etwas genauer vorstellen.

 

Warum sind Magerrasen so besonders?

Viele seltene Pflanzengesellschaften, wie zum Beispiel Trocken- und Halbtrockenrasen, Niedermoore, Feuchtwiesen und Streuobstwiesen sind in unserer Landschaft inzwischen höchst gefährdet. Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Nahrungsquellen zahlreicher Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen, z.B. die graue Sandbiene oder die farbenprächtige Rotflügelige Ödlandschrecke. Nachfolgend kommen daher natürlich auch noch viele andere Tierarten - z.B. Wiesenbrüter wie das Braunkehlchen – hier vor. Auch für uns Menschen übernehmen sie wichtige Funktionen: Zum Beispiel zur Belebung des Landschaftsbilds, sie wirken positiv auf unsere Sinne und tragen zur Erholung bei. Ebenso bieten sie hochwertiges Viehfutter und können Wild- und Heilkräuter bereitstellen. Kalkmagerrasen gehören übrigens zu den artenreichsten Pflanzengesellschaften bei uns, gerade weil sie so mager, sprich nährstoffarm, sind. Weil hier nicht wenige konkurrenzstarke Arten vorherrschen, können viele verschiedene Kräuter und Gräser vorkommen. Diese Spezialisten müssen trockentolerant sein und mit wenig Nährstoffen auskommen um an diesen Standorten gedeihen zu können.

 

Wieso sind artenreiche Wiesengesellschaften inzwischen so selten geworden?

Dafür gibt es viele Gründe. Neben dem allgemeinen Flächenverlust von Naturlandschaften z.B. durch Versiegelung, industrielle Landwirtschaft und Bebauung sind noch zwei andere Faktoren dafür äußerst relevant. Da wäre zum einen der starke Stickstoffeintrag durch Verkehr und intensive Düngung zu nennen. Ein weiterer Grund ist die Gleichförmigkeit der Grünlandgesellschaften durch die Etablierung von handelsüblichem Regelsaatgut. Dadurch werden Wiesen in unterschiedlichen Regionen immer ähnlicher (und artenärmer!), obwohl die natürliche Artenzusammensetzung in den jeweiligen Naturräumen stark voneinander abweichen würde. Und natürlich spielt auch der Mahdzeitpunkt und die Häufigkeit eine große Rolle, wie und welche Arten sich auf den Wiesen halten und ausblühen können.


Wildbestäuberkurse

Der Naturpark Weißbach beherbergt durch die Höhenerstreckung vom Saalachtalboden bis zu den Gipfeln der Kalkhochalpen eine hohe Diversität an unterschiedlichsten Pflanzen in Bergwiesen und Almweiden. Die zahlreichen Blütenpflanzen locken Wildbestäuber wie Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und Käfer an, die für die Befruchtung der Pflanzen sorgen. Nur im Zusammenwirken von Blüten und Bestäubern können sich die Pflanzen vermehren und finden auch die Bestäuber die notwendige Nahrung in Form von Nektar und Pollen.

 

Unsere Wildbestäuberkurse werden über das Interreg-Projekt „Wild und Kultiviert“ gefördert und von einem erfahrenen Biologenteam, rund um den Hummelexperten Johann Neumayer, geleitet. Zu Beginn der Kurse liefert theoretischer Input das Basiswissen, um die Relevanz der Bestäuberthematik zu begreifen. Die Teilnehmer*innen lernen mit einem Bestimmungsschlüssel für Hummeln umzugehen und bekommen die Möglichkeit ihr Wissen sogleich praktisch umzusetzen. Am Kursort, unserer urigen Waltlmühlsäge mitten im Naturpark, stehen Fangnetze und –becher für die Forschungsarbeit im Feld als auch Binokulare zur Verfügung. Außerdem wird den Teilnehmer*innen der Zusammenhang zwischen Blüteneigenschaften und Bestäuberspektrum, sowie häufige Blütenpflanzen der Alpen nähergebracht. Bei allen Themen ergänzen sich Theorie- und Praxiselemente, sodass in der Folge eigenständig Beobachtungen gemacht und interpretiert werden können.

 

Einmal in die Welt der Bestäuber eingetaucht blickt man mit anderen Augen auf die kleinen Tiere, die einem im Alltag über den Weg fliegen. Neben einem erweiterten Wissensschatz, wird vor allem auch die bewusste Umwelt-wahrnehmung geschärft. Dies ebnet den Weg und erhöht die Bereitschaft, sich für den Schutz und Erhalt dieser wichtigen Artengruppen einzusetzen. Wir freuen uns bereits sehr auf das nächste Jahr mit vielen weiteren tollen Kurstagen und eindrucksvollen Erlebnissen.

 

Für Informationen wann die nächsten Wildbestäuberkurse stattfinden und wie man sich anmelden kann, schaust du am besten in unseren Eventkalender!